Angehörige und Bezugspersonen

Die Reaktion der Umwelt, besonders das Verhalten von Vertrauenspersonen, trägt ganz entscheidend zur Verarbeitung einer sexualisierten Gewalterfahrung bei. Wenn Sie betroffene Frauen und Mädchen unterstützen wollen, ist es deshalb wichtig, deren psychische Situation zu verstehen.

Sexualisierte Gewalt bedeutet eine schwere Verletzung der seelischen und körperlichen Integrität und ist oft eine traumatische Lebenserfahrung. Die Betroffenen hatten keine Möglichkeit, das Geschehen zu kontrollieren.

Deshalb ist es außerordentlich wichtig, danach nichts gegen ihren Willen zu unternehmen.

Gerade wenn jugendliche Mädchen betroffen sind, neigen Erwachsene aufgrund ihrer Sorge und Verantwortung dazu, die Mädchen zu reglementieren und vielleicht in ihren Freiheiten einzuschränken.

Damit Betroffene wieder Selbstsicherheit gewinnen können, ist es eher hilfreich, ein Sicherheitskonzept zu entwickeln, das sie schützt ohne zu verängstigen und ihnen Mut zu machen, ihr Leben in die Hand zu nehmen und für ihre Rechte einzutreten.

Oft kommt der Täter aus dem Bekanntenkreis oder ist ein Freund oder Verwandter. Gerade dann reagiert das direkte Umfeld häufig mit Ungläubigkeit, Hilflosigkeit oder mit Vorwürfen an die Betroffenen. Manchmal werden auch Aktionen gegen den Täter geplant, was für die Betroffene meist ebenso wenig hilfreich ist. Vermeiden Sie Schuldzuweisungen und gehen Sie nicht über den Willen der Betroffenen hinweg.

Unabhängig davon, wie Sie der Betroffenen helfen können, sollten Sie immer auch Ihre eigenen Grenzen im Auge behalten und darauf achten, sich nicht zu überfordern. Bei Bedarf bietet der Notruf auch Angehörigen und Bezugspersonen Beratung an.