Expertise zur Digitalisierung geschlechtsspezifischer Gewalt

Digitale Gewalt gegen Frauen nimmt zu

Logo des Bundesverbandes der Frauennotrufe

 

Stalking, Belästigung, Online-Stellen privater Inhalte und intimer Bilder, Ausspähen mit spezieller Software, Vergewaltigungsdrohungen, Verbreitung gefilmter Vergewaltigungen – digitale Gewalt gegen Frauen hat verschiedene Formen und Ausprägungen.

 

Der Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff) hat eine ausführliche Expertise zur Arbeit der Frauennotrufe und Frauenberatungsstellen gegen digitale Gewalt veröffentlicht.

Grundlage des Papiers ist eine Umfrage, die der bff bei seinen rund 180 Mitgliedern durchgeführt hat. Hierin gab die Mehrheit der Beraterinnen an, dass sie immer häufiger Frauen und Mädchen beraten, die von digitaler Gewalt betroffen sind. Oft sind digitale Angriffe nicht der einzige oder ausschlaggebende Grund, warum sich Betroffene an die Fachberatungsstellen wenden. „Die Betroffenen, die Beratung bei sexualisierter Gewalt und häuslicher Gewalt in Anspruch nehmen, sind potentiell auch von Formen digitaler Gewalt betroffen“, sagt Anna Hartmann, Mitarbeiterin im Projekt Aktiv gegen digitale Gewalt des bff. „Digitale Gewalt findet nicht getrennt von „analoger Gewalt“ statt, sondern stellt meist eine Fortsetzung oder Ergänzung von Gewaltverhältnissen und -dynamiken dar“, so Hartmann weiter.
Besonders bei Stalking werden mittlerweile in nahezu allen Fällen das Internet oder digitale Medien dazu genutzt, die Betroffenen zu verfolgen oder auszuspionieren. Frauen wenden sich z.B. mit dem Verdacht an die Beratungsstellen, dass Spyware auf ihrem Handy installiert wurde und Gespräche abgehört, Nachrichten mitgelesen oder sie durch die Tracking-Funktion geortet werden.

Auch im Kontext von sexualisierter Gewalt spielen digitale Medien eine wachsende Rolle. Betroffene berichten, dass ursprünglich einvernehmlich erstellte intime Fotos oder Videos ohne Zustimmung online gestellt wurden. In anderen Fällen drohen Täter damit, intime Bilder zu veröffentlichen, um bspw. eine Trennung zu verhindern.
Wie hoch der Anteil der Frauen und Mädchen ist, die von digitaler Gewalt betroffen sind, lässt sich mit der bff-internen Umfrage nicht beantworten. „Wir haben derzeit keine belastbaren Studien und Zahlen darüber, wie viele Frauen und Mädchen tatsächlich von den unterschiedlichen Gewaltformen betroffen sind“, erklärt Silvia Zenzen, Mitarbeiterin im Projekt. „Hierzu braucht es mehr Forschung auf nationaler und internationaler Ebene sowie repräsentative Daten, denen ein klar definierter Begriff geschlechtsspezifischerdigitaler Gewalt zugrunde liegt“, schließt sie an.

In der nun vom bff veröffentlichten Expertise wird neben aussagekräftigen Studien auch die Sensibilisierung von Polizei und Justiz sowie eine kritische Debatte über digitale Gewalt im öffentlichen digitalen Raum gefordert. Eine bedarfsgerechte Unterstützung von betroffenen Frauen und Mädchen braucht eine nachhaltige Strategie gegen digitale Gewalt und nicht zuletzt finanziell besser ausgestattete Fachberatungsstellen, um dem wachsenden Phänomen der digitalen Gewalt adäquat entgegen treten zu können.

Die Expertise kann hier heruntergeladen werden.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier