Nach einer Vergewaltigung

Eine Vergewaltigung ist ein gewaltsamer Angriff und eine schwere körperliche und seelische Demütigung. Wie es Ihnen nach einer Vergewaltigung geht, ist individuell ganz unterschiedlich und kann zum Teil auch widersprüchlich sein.

Zunächst stehen Sie wahrscheinlich unter Schock und fühlen sich ohnmächtig und hilflos, vielleicht haben Sie starke Selbstzweifel.

Es kann sein, dass Sie sich beschmutzt, erniedrigt und verzweifelt fühlen. Vielleicht empfinden Sie Angst, Leere, Scham, Ekel und Misstrauen, oder auch Wut und Hass – vielleicht auch gegen sich selbst.

Mögliche kurz- und längerfristige Folgen können Angstzustände, Konzentrations- und Schlafstörungen, Erschöpfung, Probleme in Beziehungen, sexuelle Schwierigkeiten, psychosomatische Erkrankungen, Essstörungen oder andere Suchterkrankungen sein.

Manchmal spüren Frauen, dass etwas geschehen ist, das sie nicht wollten, an das sie sich aber nicht erinnern können. Es kann sein, dass dabei K.O.-Tropfen eine Rolle gespielt haben.

Viele Frauen fühlen sich mitschuldig, weil sie denken, sich falsch verhalten zu haben. Oder sie schämen sich für das, was geschehen ist.

Vielleicht machen Sie die Erfahrung, dass Ihnen nicht geglaubt wird, dass das Geschehene verharmlost wird oder die Schuld Ihnen selbst zugesprochen wird.

Viele Frauen verdrängen das Geschehene, weil sie so schnell wie möglich wieder festen Boden unter den Füßen gewinnen und zu ihrem alltäglichen Leben zurückkehren möchten. Sie möchten so weiterleben, als ob nichts geschehen wäre. Dieser Abstand kann dabei helfen, wieder stabil zu werden.

Trotzdem kann es sein, dass Sie von Erinnerungen gequält werden, die Sie nicht kontrollieren können. Im Frauennotruf können wir Sie dabei unterstützen, einen guten Umgang damit zu finden.

Es gibt keinen richtigen oder falschen Zeitpunkt, eine Vergewaltigung zu verarbeiten. Es kann auch nach einer Vergewaltigung gelingen, das eigene Leben im Griff zu haben. Die Verarbeitung kann auch Jahre später noch erfolgen.

Entscheiden Sie bewusst, mit wem Sie über das Erlebte sprechen. Suchen Sie Unterstützung nur bei Menschen, zu denen sie wirklich Vertrauen haben und bei denen Sie sich aufgehoben fühlen.

Entscheiden Sie bewusst, was Sie erzählen möchten. Das Berichten über eine Vergewaltigung kann dazu führen, dass alle damit verbundenen Empfindungen wieder hochkommen.